Dehesa de la Oliva Aufstieg

Eigentlich bin ich in die Dehesa de la Oliva nur durch meine Dickköpfigkeit gekommen. Ich wollte nach Patones de Arriba und hatte vorher herumgegoogelt und etwas über Ausgrabungen gelesen. Während der Besichtigung von Patones fragte ich bestimmt acht Mal danach, keiner wusste Bescheid. Selbst die Einheimischen nicht. So tobte ich nach dem Mittagessen in Patones de Abajo los, um all die Sehenswürdigkeiten aufzuspüren, von denen ich gelesen hatte.

Ich muss dir sagen, schon der Kontrast zwischen Patones de Arriba und Madrid-Stadt ist schockierend. Ich wusste aber ungefähr, was mich erwartete, denn ich war schon einmal vor ca. 15 Jahren dort gewesen. Aber die Fahrt in die nur ca. 4 km davon entfernte Dehesa de la Oliva war für mich die erste. Ich muss dir sagen, es ist eine Reise in tiefste Einsamkeit, in eine unendliche Stille und vor allem in die gesamte Menschheitsgeschichte auf der spanischen Halbinsel, die sich in den verschiedenen Sehenswürdigkeiten manifestsiert. Und das nur 60 km von Madrid!

Dazu bieten sich dir hier mehrere Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung wie Klettern und Wandern. Hier einige Kostproben:

Wie komme ich hin?

Die Dehesa de la Oliva liegt am äußersten Rand im Nordosten der Autonomen Gemeinschaft Madrid, direkt an der Grenze zu Guadalajara, das zu Kastilien-La Mancha gehört. Hier fließen die Flüsse Lozoya und Jarama zusammen. Das Gebiet gehört zum Dorf Patones.

Wenn du mit dem Auto von Madrid über die A-1 kommst, musst du an der Ausfahrt 50 auf die N-320 Richtung Torrelaguna abfahren. Du kommst an einen Kreisel. An diesem musst du in den Ort Torrelaguna abbiegen und die M-102 Richtung Patones de Abajo suchen. Fahre durch Patones de Abajo durch und ca. 4 km weiter, bis du an ein Schild M-134 Richtung El Atazar kommst. Nach vielleicht 200 m kommt links ein Parkplatz Pontón de la Oliva. Hier stellst du dein Auto ab und läufst.

Die Eremitage Ermita de la Virgen de la Oliva

Vom Parkplatz des Staudamms Presa Pontón de la Oliva auf der linken Seite aus sind es nur wenige Schritte Richtung Staudamm.

Viel ist über die Eremitage nicht zu finden. Sie wurde im XII. – XIII. Jh. im kastilisch-leonesischen Mudéjar-Stil erbaut. In der Sierra Norte von Madrid gibt es noch einige wenige Kirchen in diesem Stil.

Zur Erinnerung:

Die Mudejaren oder Mudéjares (von arabisch مدجّن mudaddschan, DMG mudaǧǧan ‚dienstbar gemacht‘) waren Muslime, die im Verlauf der Reconquista unter die Herrschaft der christlichen Königreiche in Spanien gekommen waren, ihre Religion weiter ausüben konnten, sich jedoch auch an ihre christliche Umgebung anpassten. (Wikipedia)

Die Ermita de la Virgen de la Oliva gehört heute zur Complutense-Diözese der Stadt Alcalá.

Wie du auf dem Foto erkennen kannst, ist sie schon sehr zerfallen und wird wohl bald ganz verschwinden. Es steht nur noch die Apsis aus Backsteinen und die zentrale Mauer des Kirchenschiffes.

Der Canal de Cabarrús

Der Canal de Cabarrús (Cabarrús-Kanal) ist ein altes, teilweise zerstörtes Kanalsystem, das im Nordosten der Autonomen Gemeinschaft Madrid durch die Gemeinden Torrelaguna, Torremocha de Jarama und Patones verläuft. Der Kanal wurde zwischen 1775 und 1799 gebaut. Er war 12 Kilometer lang und vereinigte die Täler der Flüsse Lozoya und Jarama.

Den Namen Cabarrús hat der Kanal von seinem Bauherrn, dem Grafen Francisco Cabarrús, der in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts Finanzberater der spanischen Krone und Kreditgeber des Königs Carlos III war. Cabarrús entwickelte diesen künstlichen Kanal, um das reichlich vorhandene Wasser des Jarama und Lozoya zu landwirtschaftlichen Zwecken zu nutzen.

Der Kanal funktionierte nur bis 1822 und wurde dann zugunsten des für die kastilische Hochebene typischen Trockenfeldbaus aufgegeben. Im Jahr 1880 wurde der Rest der Anlagen vom Canal de Isabel II gekauft, in dessen Besitz er bis heute noch ist. Quelle: Wikipedia

Im Bild unten unten kannst du rechts den Cabarrús-Kanal sehen.

Der Canal Cabarrús

Der Staudamm Pontón de la Oliva

Der 27 m hohe und 72 m breite Staudamm Pontón de la Oliva wurde 1857 erbaut. Unten ist er 39 m breit und oben fast 7 m. Er ist der letzte von insgesamt 6 Staudämmen, durch die sich der Fluss Lozoya zwängen muss. Er ist auch der älteste im Besitz des Unternehmens Canal de Isabel II, das Madrid mit Trinkwasser versorgt.

Vor dem Bau dieses Staudamms unter Isabel II wurden die 206 000 Einwohner Madrids aus 54 Brunnen und von 920 Wasserträgern mit Trinkwasser aus im Mittelalter erbauten unterirdischen Kanälen versorgt. Diese wurden das erste Mal 1202 dokumentiert und bis zum XIX Jh. allmählich erweitert.

Durch die stark anwachsende Einwohnerzahl war eine bessere Lösung für die Wasserversorgung notwendig. 1848 legten die Ingenieure Juan Rafo und Juan de Ribera ein Projekt zur Versorgung im „römischen Stil“ vor. Wegen der Qualität und Reinheit seines Wassers wurde der Fluss Lozoya für den Bau eben dieses Staudamms ausgewählt, dessen Wasser über einen 77 km langen Kanal nach Madrid geleitet werden sollte.

Am 11. August 1851 setzte der Gemahl der Königin, Francisco de Asís de Borbón, den ersten Stein. An dem Staudamm arbeiteten 1500 Gefangene aus dem Karlistischen Krieg, 200 freie Arbeiter und 400 Tiere unter den härtesten Bedingungen. Im Lager brach sogar die Cholera aus. An den Quadern der Stützmauer kann man heute noch die Halseisen für die Gefangenen sehen. Laut der Website des Rathauses von Patones soll auch noch an einer Stelle die eingravierte Krone zu sehen sein. Ich habe aber nicht versucht, sie zu finden.

Die Kommunikation zwischen den verschiedenen Baustellen wurde über Brieftauben geführt.

Der Staudamm Pontón de la Oliva wurde 1858 eingeweiht.

Die Lebensdauer des Stauudamms Pontón de la Oliva war aber nur kurz, da das Wasser durchsickerte. Schon 1860 wurde eiligst der kleine Staudamm bei Navarejos, der zweitälteste Staudamm, 6 km oberhalb gebaut. Danach errichtete man den Staudamm Embalse de El Villar 22 km Fluss aufwärts, welcher 1882 eingeweiht wurde.
Der Staudamm Pontón de la Oliva wurde aber nicht eingerissen, sondern gehört heute zum historischen Erbe der Sierra de Ayllón. Quelle: Wikipedia

Wie du auf dem Bild sehen kannst, wird die Steilwand links gerne zum Klettern genutzt.

Kletterwand am Pontón de la Oliva

Die Steinzeithöhle Cueva del Reguerillo

Ich schicke dir gleich voraus, dass die Höhle seit 2006 für das allgemeine Publikum geschlossen wurde, weil sie die Leute mit Abfall füllten und die Wände mit Graffiti beschmierten. Ich sehe nur eine Möglichkeit dort reinzukommen, nämlich indem du dich an den Verband der Höhlenforscher wendest.

Wie komme ich zur Höhle?

Wenn du die M-134 vom Pontón de la Oliva aus etwa 300 m weiter in Richtung El Atazar fährst, ist rechts eine Einbuchtung, die als Parkplatz gedacht ist. Dort stellst du dein Auto ab und gehst die aufsteigende Piste rechts etwa 50 m weiter. Bevor du an die großen Rohre kommst, geht links ein Pfad zur Höhle hoch.

Sie liegt auf einer Höhe von 850 m und ist 8 190 m lang. Im Inneren gibt es Marmite, Mäander, Stalaktiten und Stalagmiten und andere durch das Wasser entstandene Formen.

Die Höhle wird zum ersten Mal in Miñanos Wörterbuch aus dem Jahr 1828 beschrieben.

Im Herbst und Winter wurde sie von Bären bewohnt, im restlichen Jahr hausten hier jagende Stämme. 1916 wurden die ersten Malereien und neolythische Keramikreste gefunden. 1940 entdeckte man zwei Fische und Hirsche. Auf einem Felsen sind Bergziegen, eine menschenähnliche Gruppe und ein Mamut zu sehen. Diese Gravuren werden päolithischen menschlichen Gruppen der Aurignacien-Periode zugeschrieben. Aus diesem Grunde wurde die Höhle 1944 zum kunsthistorischen Denkmal erklärt.

Die Höhle Cueva del Reguerillo ist in wissenschaftlicher Hinsicht die wichtigste in der Autonomen Gemeinschaft Madrids. Sie wird auch gerne von den Höhlenforschern zum Trainieren genutzt.

Quelle: Wikipedia

Archäologische Ausgrabungen

Auf dem Plateau der Dehesa de la Oliva über der Cueva del Reguerillo sind sehr interessante Ausgrabungen mit Resten aus der vorrömischen und römischen Zeit, sowie der der Visigothen zu sehen. Das beschreibe ich aber in einem eigenen Beitrag.

Las Cárcavas

Die Cárcavas (zu Deutsch in etwa Rinnen) gehören zwar schon zu Guadalajara, eine Provinz der Autonomie Kastillien-La Mancha, aber das tut der Sache keinen Abbruch. Der Fluss Jarama bildet die Grenze.

Als ich diese kuriose Landschaft sah, dachte ich sofort an die Médulas in León. Das ist eine Goldmine aus der Römerzeit. Sie ist auch rot und hat dieselbe vom Wasser hervorgerufene Erosion. Die Idee liegt eigentlich nicht fern, da auf dem Berg gegenüber auf der Madrider Seite vom 1. Jh. v. Chr. Bis 1. Jh. n Chr. eine 30 ha große Römerstadt war. Ich konnte aber keine Information finden, die diese Hypothese bestätigt.

Um dorthin zu kommen, musst du vom Pontón de la Oliva aus loswandern.

Las Cárcavas

Was kann ich in der Nähe besuchen?

Der Besuch der Dehesa de la Oliva läßt sich gut mit einer Rundfahrt durch die Sierra Norte oder Sierra de Ayllón verbinden. Auf dieser Rundfahrt kannst du zum Beispiel Patones de Arriba, den Stausee von Atazar und den Wachturm Atalaya de El Berrueco besuchen.

Ich würde mich über ein Feedback von dir freuen

Wie hat dir der Wachturm Atalaya de El berrueco gefallen? Hast du etwas vermisst? Wie war deine Erfahrung auf der Reise nach Madrid? Hast du noch andere Aspekte, die anderen Lesern helfen könnten? Hast du Fragen?

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