Links Casa Cordero an der Puerta del Sol

Das gerüchteumwobene Haus Casa Cordero, auch Casa Maragato genannt, hat in Madrid in vielerlei Geschichte gemacht: erster Wohnblock Madrids, erste private Telefonzentrale Madrids, Vorbild für die restlichen Häuser der Puerta del Sol, erstes großflächiges Kaufhaus in Madrid, 1974 Ort eines Attentates – aber kaum einer weiß es.

Adresse

Casa Cordero
Calle Mayor, 1
28013 Madrid

Verkehrsverbindung

Metro

Sol (Linie 2, Linie 3, Linie 4)

Nahverkehrszüge (Cercanías)

C-3, C-4

Standort des Hauses Casa Cordero

Den Häuserblock Casa Cordero findest du am Platz Puerta del Sol, in der Hausnummer 1 der Calle Mayor. Er grenzt links an die Calle de Correo, rechts an die Calle de Esparteros. An der Rückseite befinden sich die Plaza de Pontejos und die Calle Marqués Viudo de Pontejos. An dieser Stelle stand zuvor das Augustiner-Kloster San Felipe el Real, das 1838 2 Jahre nach der Amortisation von Mendizábal abgerissen wurde.

Woher kommt der Name?

Das Haus wurde nach seinem Bauherrn, dem Geschäftsmann Santiago Alonso Cordero (1793-1865), benannt (hat also nichts mit Schafen zu tun), dem man auch den Beinamen Maragato gab. Daher nennen manche Leute das Haus auch Casa Maragato.

Als Maragatos bezeichnet man im Volksmund die Leute, die aus der nordspanischen Region Astorga (León) kommen. Die Maragatos sind bekannt als erfolgreiche und zuverlässige Fuhrleute, die bis ins 20. Jhd. handwerkliche Produkte und Süßwaren, für die sie heute noch berühmt sind, im ganzen Land verkauften. Mehr zu Maragatos und der Maragatería hier.

Santiago Cordero erklomm sogar die Position des Präsidenten des Provinzrates Madrids (Diputación de Madrid). Selbst in den Stadtversammlungen soll Santiago Cordero die Tracht der Maragatos getragen haben, was im starken Kontrast zu dem damals modernen französischen Anzug stand.

Die Gerüchte über das Vermögen Corderos und den Kauf des Geländes

Hier wird viel spekuliert, denn keiner hat bisher Belege entdeckt, die die eine oder die andere Version bestätigen könnten.

Die fantastischste Geschichte schreibt man dem Schriftsteller Ramón Gómez de la Serna (1888 – 1963) zu, der in seinem Werk Toda la historia de la Puerta del Sol (1920), die Hypothese in die Welt gesetzt haben soll, dass Santiago Cordero durch den Hauptgewinn der Weihnachtslotterie zu seinem Vermögen gekommen sei, den der spanische Staat jedoch nicht mit ausreichendem Kapital decken konnte. Ich konnte mir das Buch noch nicht besorgen, um das zu überprüfen. In Deutschland ist es nicht bekannt.

Santiago Cordero, zu jener Zeit Stadtrat Madrids, ersteigerte 1841 das Grundstück für fast 17 Millionen Reales, die er aber nicht voll auszuzahlen hatte, da der Staat den Lotteriegewinn vom Preis abzog.

In einem Artikel von Fernando Alonso García habe ich gelesen, dass laut des Instituto de Estudios Madrileños in den entsprechenden Jahren Santiago Cordero nirgends als Lotteriegewinner auftaucht. Deshalb neige ich mehr dazu, der zweiten (ebenfalls nicht belegten) Hypothese ein Körnchen Wahrscheinlichkeit zuzusprechen, denn sie gleicht aufs Haar genau dem korrupten Geschäftsverhalten hoher Politiker und großer Geschäftsleute der spanischen Oligarchie der letzten Jahrzehnte.

Demnach soll es sich um eben korrupte Geschäfte zwischen dem Minister Juan Álvarez Mendizábal, der die Desamortisation erwirkt hatte, und Corderos selbst handeln. Obwohl es auch sein könnte, dass man dies dem liberalen Minister nachsagt, um ihn anzuschwärzen, da er durch die Desamortisation seine Beliebtheit verlor und abgesetzt wurde. In Spanien konnte sich bis heute noch keiner im öffentlichen Leben halten, wenn er sich mit der katholischen Kirche anlegt (siehe die Forderungen des Movimiento 15M).

Wie dem auch sei, schauen wir uns das Gebäude an.

Die Geschichte der Casa Cordero

Das Haus wurde 1842 unter der Leitung des städtischen Architekten Juan José Sánchez Pescador gebaut und gilt als das repräsentativste Gebäude Madrids des 19. Jahrhunderts. Es wurde 1846 fertiggestellt.

Das Gebäude stellte seinerzeit eine riesige Neuheit dar, denn es war der erste moderne Wohnblock Madrids.
In Wirklichkeit sind es 6 Häuser in einem Block mit 7 Innenhöfen und 286 Fenstern auf die Straße. Das Erdgeschoss war für Geschäfte und Cafés vorgesehen.

Darüber vier Stockwerke mit 100 modernen Wohnungen unterschiedlicher Art, je nach der unterschiedlichen Kaufkraft ihrer Besitzer ausgerichtet.

Auch die Fassade im klassizistischen Stil war provokativ, denn der zentrale Teil, in dem sich die luxuriösesten Wohnungen befanden, wird mit riesigen Pfeilern hervorgehoben. Dies war bisher nur für Gebäude repräsentativen Charakters reserviert.

Die Casa Cordero beeindruckte dermaßen, dass die liberale politische Klasse in dem Haus ein Ideal des Städtebaus sah. Als zwischen 1852 und 1862 am Platz Puerta del Sol die Gebäude um die Real Casa de Correos baute, nahm man das Haus als Vorbild. Alle Gebäude erhielten zum ersten Mal eine einheitlicher Fassade.

1880 zog im ersten Stock das erste großflächige Kaufhaus, der Gran Bazar de la Unión, ein. Dieser war selbst eine Neuheit: hier gab es billige Produkte, die zum ersten Mal einen festen Preis hatten. Es wurde also nicht gefeilscht. El Gran Bazar hielt sich bis 1954.

Als 1886 von der liberalen Regierung Sagasta das Telefonnetz zur privaten Kommerzialisierung freigegeben wurde, wurde das Haus wiederum zum Bahnbrecher. 1897 ließ sich hier die erste kommerzielle Telefonzentrale Madrids der Sociedad de Teléfonos de Madrid nieder. Dazu wurde auf dem Dach eine Metallstruktur installiert, der man den Spitznamen Kiosko del Teléfono (Telefonkiosk) gab. Diese Zentrale blieb bis 1926.

1958 wurde das Restaurante Tobogán eingeweiht, eines der ersten Selbstbedienungsrestaurants Madrids.

Eine weniger rühmliche Episode war der Anschlag der ETA, der als Attentat der Calle Correo oder des Cafés Rolando (befand sich im Gebäude) bekannt wurde. Es kamen 13 Menschen ums Leben und 70 weitere wurden verletzt.

Es war einmal und ist nicht mehr

Wappen Casa Cordero

Wappen Casa Cordero an der Ecke Calle Mayor und Calle Esparteros

Die bekanntesten Läden und Cafés befanden sich damals im Erdgeschoss, wie das berühmte Café Nuevo del Pombo. Dieses wurde vom Café del Comercio und zum Schluss durch das Café Lisboa ablöst. Hier hatten die Dichter ihren „Stammtisch“. In zwei Stockwerken befand sich der Gasthof Fonda La Vizcaina, der nach der Herkunft der Eigentümerin benannt war.

Alle diese Unternehmen sind modernen Hamburger-Läden und Spielhöllen gewichen, bis auf das 1913 gegründete Kaufhaus Almacenes Pontejos auf der Rückseite des Gebäudes, die zum Platz mit dem gleichen Namens geht. Hier haben wir früher oft gekauft.

An der Ecke Calle Mayor/Calle de Esparteros ist noch das Wappen Santiago Corderos zu sehen.

Referenzen:

Pasión Madrid

Maragatería

Madrid histórico

Wikipedia

El Paisaje de Madrid

Bandabase

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